Ethik und digital? Alt und modern? Passt das überhaupt zusammen?

Schon Sokrates hat sich in frühen Zeiten Gedanken darüber gemacht, was Ethik ist und was überhaupt das Gute an sich ist. Heute hören wir: Wenn du modern sein willst, wenn du in die Zukunft gehen willst, musst du digital sein. Ohne Digitalisierung geht nichts. Wie passt das jetzt zusammen, Ethik und Digitalisierung?


Zwischen Ethik und der Digitalisierung steht der Mensch. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, was wir als Menschen überhaupt tun wollen und wo wir in der Zukunft hinkommen möchten. Vor diesem Hintergrund macht es sicherlich auch Sinn zu fragen: Ist denn das, was wir alles digitalisieren, auch wirklich ethisch vertretbar?

Was ist gut – was ist schlecht?

Die Frage hinsichtlich Digitalisierung ist aber eigentlich: Was ist überhaupt gut und was ist schlecht? Früher habe ich immer gedacht, all das ist Digitalisierung, was man zählen kann. Digitalisierung ist alles, was im Computer ist. Wir sind mittlerweile ein bisschen weiter und fassen darunter solche Begriffe wie Big Data, AI, künstliche Intelligenz, Artificial Intelligence. Immer dann, wenn wir mit persönlichen Daten hantieren – wenn wir Daten über Menschen erfassen, wenn wir Arbeitsabläufe, die Menschen betreffen, automatisieren und digitalisieren – und wenn wir dann letzten Endes auch solche Entscheidungen dem Computer überlassen, die Menschen betreffen, dann sind wir an einem Punkt, wo wir uns auch mit Ethik auseinandersetzen müssen. Wer das nicht macht, handelt ethisch nicht vertretbar.

Beispiel Gesundheitsdaten

Gesundheitsdaten sind aktuell die höchsten sensiblen Daten, die wir haben. Aus diesem Grund werden sie auch immer gesondert geschützt. Passwort, Hardwareverschlüsselung, Chip. Und das ist auch gut so. Würden wir nun all das digitalisieren, was digitalisiert werden kann, dann hieße das, wir lassen uns untersuchen, scannen den ganzen Körper einmal ein und speichern diese ganzen Daten ab. Dann lassen wir nicht einen Arzt auf den Körper schauen, sondern tatsächlich einen Computer. Und der entscheidet dann, was wir haben.

Und einmal angenommen, alle Daten von und über uns werden in einen großen Datentopf geworfen und darin abgelegt. Doktor Digital aus künstlicher Intelligenz schaut nun auf diesen Datentopf – und stellt fest: Wir haben nicht mehr lange zu leben. Aus seiner logischen Berechnung basierend macht es keinen Sinn, uns jetzt noch Medikamente zu verschreiben, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir die nächsten drei Jahre überleben, liegt lediglich bei zehn Prozent. Das steht laut seinen Berechnungen in keinem Verhältnis zu den anstehenden Therapiekosten. Ende. Das wäre nicht nur sehr deprimierend für uns als Patient, sondern auch ethisch und moralisch sehr fragwürdig. Nur weil die Wahrscheinlichkeit bei zehn Prozent liegt, heißt das ja nicht, dass es garantiert nicht passieren kann. Künstliche Intelligenz arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, genauso wie wir es in der Finanzwirtschaft auch machen.

An dieser Stelle müssen wir sicherstellen, dass solche Entscheidungen nicht einem Computer überlassen werden dürfen. Wir dürfen also nicht einfach sagen: Nur weil wir alles digitalisieren können, machen wir es auch. Es gibt eine rote Grenze, die wir nicht überschreiten sollten.

Vorausdenken dringend empfohlen

Wann immer wir mit Daten hantieren, müssen wir uns überlegen, welche Auswirkungen das haben kann. Diese Auswirkungen zu erkennen, ist meistens gar nicht so einfach, denn man muss da schon sehr kreativ sein und weit über den Horizont hinausdenken. Hat es denn jetzt einen Sinn, das so und so zu machen? Mache ich das nicht, habe ich das Problem, dass ich später etwas zurückdrehen muss, was sich möglicherweise ohne größere Verluste gar nicht zurückdrehen lässt.

Genau das ist der Knackpunkt. Wir laufen immer Gefahr, in eine ethische Grauzone zu rutschen.

Wenn Sie so etwas gerne weiter diskutieren möchten, wenn Sie eigene Fragen haben oder auch Ihre eigene Meinung haben, dann lassen Sie mich das gerne wissen. Schreiben Sie mir eine Mail. Ich melde mich bei Ihnen. Bleiben Sie neugierig!

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