Herumdoktern an Symptomen löst keine Probleme

Immer wieder erlebe ich, dass in Projekten nicht alles so läuft, wie es sollte. Anstatt allerdings die Ursachen des Problems zu beheben, wird oftmals nur an den Symptomen herumgedoktert. Exemplarisch dafür möchte ich Ihnen ein solches Projekt schildern.


Bei einem großen und langfristigen Projekt, in das ich involviert war, gab es ein Problem, das nicht bis zum Stakeholder-Meeting gelöst werden konnte. Ich sagte, man müsse mitteilen, dass der Status an dieser Stelle im Projekt Rot ist und dass es ein Problem gibt, das es zu lösen gilt. Diejenigen, die das Projekt präsentieren sollten, waren jedoch fest entschlossen, eine Lösung zu finden. Es wurde bis spät in die Nacht gearbeitet und morgens erhielt ich einen Anruf.

Die Ampel hat nur drei Farben

Es wurde mir mitgeteilt, dass eine Lösung gefunden wurde – das hörte sich im ersten Moment natürlich positiv an. Auf die Frage, wo denn nun die Ursache des Problems zu finden war, hieß es: „Das wissen wir nicht genau, aber wir wissen, was wir jetzt machen.“ Wie so oft in Projekten wurde nicht nach der Problemursache gesucht, sondern es wurden lediglich die Symptome angegangen. Kurzerhand wurde die angewandte Ampelsystematik – Grün für „alles in Ordnung“, Gelb für „Achtung, da läuft etwas nicht ganz so, wie es sollte“ und Rot für „hier ist ein Problem“ – umgestellt. Es gab nun Grün, bei Gelb die Abstufungen von 1 bis 10 und schließlich Rot. Anstatt also einen roten Status an die Stakeholder weiterzugeben, war es »nur« noch „Gelb 8“.

Einen neuen Anstrich verpassen

Es wurde also schlichtweg das rote Lämpchen gelb angestrichen und auch so weitergegeben. Das Ende vom Lied: man hat nicht die eigentliche Ursache gelöst, sondern nur eine halbgare Lösung gefunden, die die Symptome behandelt. Diese Tatsache spiegelt sich in vielen Projekten wider, in denen nicht genug Ressourcen vorhanden sind, um die Probleme genau zu analysieren. Es wird lediglich ein Workaround eingerichtet, was letztlich nichts anderes ist, als das Herumdoktern an Symptomen.

Felsen voraus – was tun?

Wie sollte man also vorgehen, wenn etwas nicht funktioniert, wie es sollte? Wenn ein Felsbrocken den Weg zum Ziel versperrt? Es gibt zwei Möglichkeiten: ich fahre außen herum, wenn es kein großer Umweg ist. Wenn der Felsen allerdings so massiv ist, dass sich der Umweg nicht lohnt oder zu aufwendig wäre, dann muss Unterstützung gefordert werden. Das Projekt muss in Sachen Zeit, Budget oder Personal so angepasst werden, dass sich der Felsen aus dem Weg räumen lässt. Und genau das sind Entscheidungen, die die Stakeholder treffen müssen. Wenn Sie diesen allerdings sagen, dass der Status nur Gelb ist, wird ein falsches Bild vermittelt. Erklären Sie, was genau an einer Stelle ein Problem ist. Das ist viel effektiver, als das Problem »heimlich« zu umfahren und keine vernünftige Lösung zu finden, die zum Erfolg führt.

Wenn Sie anderer Meinung sind oder gerne darüber diskutieren möchten, dann schreiben Sie mir unter fragen@andredaus.com, rufen Sie mich an oder vereinbaren Sie einen Termin.

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