Ist in Unternehmen wirklich alles so grün, wie es scheint?

Neulich besuchte mich ein Freund und erzählte stolz, dass sein Unternehmen jetzt auch grün sei. Ich konnte mir natürlich denken, was er damit meint, dennoch hakte ich nach, was grün denn für ihn bedeute. Mehr für die Umwelt zu tun war seine Antwort. Viele Unternehmen schreiben sich auf die Fahne grün zu sein – doch sind sie es wirklich?


Zurück zu meinem Freund: dieser berichtete von der Problematik mit den vielen Kaffeebechern aus Pappe, die in seinem Unternehmen anfallen. Diese werden natürlich weggeworfen, müssen entsorgt werden und produzieren sehr viel Müll. Dem wollte er etwas entgegensetzen, was grundsätzlich eine gute Idee ist. Wir befinden uns schließlich in einer grünen Bewegung und Umweltschutz steht auf jeder Agenda sehr weit oben – dann aber bitte richtig. 

Über den Horizont hinaus denken

Die Welt endet nicht am Tellerrand und selbst wer darüber hinausgeht, ist noch weit entfernt vom Horizont. Der positive Grundgedanke etwas zu ändern, war bei meinem Freund zwar vorhanden, aber die letztliche Ausführung war nicht bis zu Ende gedacht. Um der Problematik mit den Pappbechern zu begegnen, führte er Bambusbecher ein. Diese sind wiederverwendbar, sehen schick aus, sind aus einem Naturmaterial gefertigt, das schnell und stetig nachwächst und bei der Entsorgung einfach verrottet. Im asiatischen Raum werden aus dem nachhaltigen Rohstoff sogar ganze Baugerüste für Hochhäuser gefertigt. Soweit eine wirklich gute Idee. Beleuchtet man jetzt die Produktion eines solchen Bechers genauer, wird man feststellen, dass diese Becher letztlich nur aus Bambusfasern bestehen. Diese müssen natürlich irgendwie zusammengehalten werden – Kunststoff kommt zum Einsatz. Mit jedem Mal, mit dem der Becher verwendet wird, lösen sich Schadstoffe, die wir in unseren Körper aufnehmen und die auch den Becher mit der Zeit auflösen. Am Ende wird er weggeworfen, verrottet aufgrund des hohen Kunststoffanteils aber nicht. Wenn Sie mich fragen, ist das nicht besonders grün.

Alternativen zum Kunststoff-Bambus-Becher

Eine echte Alternative zu den gehypten Bambusbechern sind Edelstahlbecher. Diese mögen vielleicht nicht so schick aussehen, bieten aber viele Vorteile: Es lösen sich keine Schadstoffe heraus, sie sind sehr stabil und langlebig und zudem sind sie wesentlich einfacher zu recyceln als zum Beispiel Mischprodukte aus Bambus und Kunststoff. Ich greife hier noch einmal den Vergleich zum Gerüstbau auf. Selbstverständlich sind auch Gerüste aus Bambus eine umweltfreundliche Sache, genauso wie welche aus Stahl, doch nur weil dieses Produkt aus den Rohstoffen grün ist, heißt das nicht, dass sich alle anderen Produkte auch umweltfreundlich herstellen lassen.

Ist grün wirklich immer umweltfreundlich?

Alle wollen grüner werden – die Marketingabteilungen sind auf Grün getrimmt und große Unternehmen erscheinen in neuem, grünem Gewand. Selbst die Deutsche Bahn fährt jetzt mit grünem Strom und brandet Tickets und Züge entgegen des üblich verwendeten Rot in der neuen Trendfarbe. Doch nur weil die Bahn grünen Strom bezahlt, heißt das noch lange nicht, dass man auch wirklich einen solchen bekommt. Es wird lediglich der zur Verfügung gestellt, der gerade produziert wird, ob nun vom Atomkraftwerk oder der Windkraftanlage. Wo grün drauf steht, muss also noch lange nicht grün drin sein – so wie bei den Bambusbechern. Wenn Sie es mit dem Umweltschutz ernst meinen, dann gehen Sie einen Schritt weiter und denken Sie über den Horizont hinaus, um Möglichkeiten zu finden, die unsere Ressourcen wirklich schonen und für eine grüne Zukunft sprechen.

Wenn Sie selbst ein grünes Unternehmen sind oder grüner werden möchten, würde ich mich freuen, wenn wir das gemeinsam diskutieren. Schreiben Sie mir unter [email protected], rufen Sie mich an oder vereinbaren Sie einen Termin.

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