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20.03.2017

Wir brauchen immer noch eine “Felher”-Kultur

Vergangene Woche nahm ich als Experte an einer großen Veranstaltung zum Thema Digitalisierung teil. Dabei wurden zwischen vielen Unternehmern Fragen diskutiert, die sich um das, was und wie zukünftiger technologischer und manueller Arbeitsabläufen drehten. Es kam nun die Frage auf, wie man denn neue Technologien und damit auch neue Ideen im Arbeitsalltag umsetzen kann. Ein Teilnehmer stellte dabei eine Frage, die sich ganz konkret darauf bezog, wie man denn neuere Ideen angeht, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass diese von vornherein abgeblockt würden.

Please

Der Grundtenor in der Runde war, dass so etwas schon in der Geschäftsstrategie bzw. in der Unternehmensstrategie verankert sein müsse und dass dieses auch von der Geschäftsleitung mitgetragen werden müsse. Das ist zwar gut und schön, half dem Fragestellenden jedoch nicht weiter. Ich habe das ein wenig konkretisiert.

Neuland betreten heißt aus der Komfortzone zu kommen

Es geht im Wesentlichen darum, wenn man Neuland betreten möchte, darauf vorbereitet zu sein, dass man sich dort noch nicht auskennt. Jedes Mal, wenn wir Neuland betreten müssen wir davon ausgehen, dass dort auch Fehler passieren können. Es braucht daher eine entsprechende Fehlerkultur. Fehler dürfen nicht weiterhin als etwas Negatives betrachtet werden, sondern etwas positives. Warum ist das so? Nur aus Fehlern können wir lernen. Fehler sind jedoch nicht per se gut (oder schlecht). Fehler sind immer dann hilfreich, wenn man aus ihnen etwas lernen kann. Wenn die gleichen Fehler immer und immer und immer wieder macht, macht sicherlich etwas falsch. Es geht also darum, eine Kultur zu etablieren, die es erlaubt, sich auf Neuland zu wagen, ohne dabei Angst haben zu müssen, dass wenn dabei etwas schief läuft, man sich rechtfertigen muss.

Als Antwort kam aus dem Auditorium der Hinweis, man könne dieses Wort Fehlerkultur und überhaupt die amerikanische Art und Weise, mit Fehlern umzugehen, nicht mehr hören. Man brauche schließlich eine Gesamtstrategie. Aha! Ich bitte dabei zu bedenken, dass nur, weil man bestimmte Dinge nicht mehr hören kann, wie Fehlerkultur oder auch Silodenken, es noch lange nicht bedeutet, dass wir keinen Wandel in der Fehlerkultur oder generell eine Fehlerkultur in Deutschland allgemein und in Unternehmen im Speziellen brauchen. Im Gegenteil: Es ist doch ein großes Armutszeugnis, wenn wir schon so lange über die Etablierung von Fehlerkulturen sprechen, aber es nie jemand wirklich umgesetzt hat. Man muss es ja auch nicht umsetzen, darf dann aber auf der anderen Seite auch nicht jammern, wenn man nicht wirklich vorankommt. If you're not prepared to be wrong, you can never come up with something original. (Sir Ken Robinson)

Einer der größten Fehlerteufel überhaupt

Christoph Columbus war so ein Experte. Er hat einen der größten Fehler der Geschichte gemacht. Zum einen ist er erst mal losgesegelt Richtung Westen, um im Osten anzukommen, obwohl ja jedermann wusste, dass man nicht in die falsche Richtung fährt, um am richtigen Ort anzukommen. Allerdings glaubte man auch, dass man nach wenigen Tagen Richtung Westen schon nach China komme. Viele Menschen dachten damals, der macht einen Riesenfehler. Wie recht sie damit hatten. Columbus ist nämlich gar nicht in China, sondern tatsächlich in einem anderen Land angekommen, dass man von Europa aus nicht sehen konnte geschweige denn kannte. Allerdings ist er nicht wirklich im Osten, in China angekommen, wo er hin wollte, sondern im Westen und hat das Land Amerika als Indien (Indien meinte damals alles, was bei bzw. hinter China lag) bezeichnet. Was für ein Fehler! Da kann man aus heutiger Sicht sagen: Wie konnte der das nur machen? Amerika als Indien zu bezeichnen ist schlichtweg falsch! Aus heutiger Sicht ist diese Ansicht auch durchaus zumindest faktisch richtig. Wir dürfen jedoch nicht immer mit den neuesten Erkenntnissen auf das zurückblicken, was in der Vergangenheit getan wurde. Daraus entsteht regelmäßig eine Hätte-Wäre-Würde-Thematik und eine solche hat uns noch nie weitergebracht. Was vergangen ist, lässt sich nicht mehr ändern und es bringt nichts darüber zu diskutieren, wenn man nicht daraus lernen möchte. Wäre nicht der erste Mensch Richtung Westen aufgebrochen, um zu beweisen, dass man auch so nach China kommt, lebten wir heute in einer anderen Welt.

Anstatt Christopher Columbus dafür zu tadeln, dass er diese wahnwitzige Reise auf sich genommen hat, wurde und wird er bis heute als der Entdecker Amerikas gefeiert (wenngleich er nur faktisch die Bahamas entdeckt hat). Aber, ob das nun stimmt oder nicht spielt am Ende gar keine Rolle. Bezieht man so etwas auf heutige Unternehmen, dann zählt das Ergebnis. Es zählt das Erreichte. Und ich bleibe dabei, solange es in Unternehmen keine etablierte Fehlerkultur gibt, nach der Mitarbeiter darin bestärkt werden Neuland zu betreten, befinden wir uns bildlich gesprochen noch immer im Jahre 1492.

Wer sich nicht traut, den ersten Schritt in eine neue Richtung zu gehen, darf sich am Ende nicht beschweren, dass er nicht wirklich vorankommt. Da hilft auch nicht das Jammern darüber, dass andere immer wieder sagen es braucht eine neue Fehlerkultur!


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