Digital Readiness – was ist entscheidend in der Digitalisierung?

Seit vielen Jahren begegnet mir immer wieder der Begriff Digital Readiness bzw. Digital Readiness Index. Ob ein Index wirklich Sinn macht, um zu prüfen ob ein Unternehmen in der Digitalisierung gut dasteht, bezweifle ich stark. Sobald ein solcher ins Spiel kommt, geht es darum zu vergleichen. Ein Maßstab wird vorgegeben – doch sollten Unternehmen nicht ihre eigenen Gradmesser festlegen?

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Im Buch „Der blaue Ozean als Strategie“ von W. Chan Kim und Renée Mauborgne wird das sehr bildhaft deutlich. Es gibt im Grunde blaue und rote Ozeane. Stellen Sie sich vor Sie sind in einem Ozean als großer Hai alleine unterwegs, dann haben Sie natürlich auch wenig Konkurrenz. Kommen jetzt immer mehr Haie hinzu, ist es irgendwann so, dass diese aneinanderstoßen und sich beißen. Durch diese Kämpfe entsteht Blut im Wasser – dieser Ozean färbt sich rot. Die Lösung sieht vereinfacht so aus, dass man sich einen neuen Ozean sucht und wieder alleine der große Hai ist, der keine Konkurrenz zu fürchten hat. Es geht darum, sich eine eigene Marktposition zu schaffen, in der man selbst der Maßstab ist und wenn Sie das tun, müssen Sie auch keinen Digital Readiness Index mehr fürchten.

Digital Readiness Index – was steckt dahinter

Der Digital Readiness Index bedeutet im Grunde: Wie kann mein Unternehmen mithilfe von digitaler Technologie auf bestimmte Situationen reagieren, Innovationen fördern und sich weiterentwickeln? Ich halte es für sehr gefährlich zu sagen, man muss eine bestimmte digitale Reife oder Bereitschaft erreicht haben, um zukunftsfähig zu sein. Denn je nachdem wie das Geschäftsmodell aussieht und der Unternehmer sein Unternehmen führt, macht dies mehr oder weniger Sinn. Es gibt Branchen, in denen es durchaus wichtig ist, digital ready zu sein, um sich von der Konkurrenz abzusetzen, aber es gibt auch Unternehmen, bei denen das keine Hauptrolle spielt.

Digitale Brötchen – ein Zukunftsmodell?

Mit einem örtlichen Bäcker habe ich in einem Gedankenexperiment einmal überlegt: Was passiert, wenn man das Unternehmen komplett digital umgestaltet. Zunächst einmal stand fest, dass Brötchen nicht digitalisiert werden können. Diese müssen nach wie vor in irgendeiner Art und Weise erzeugt werden. Aber welche Möglichkeiten hat der kleine Bäcker um die Ecke? Im Rahmen des Budgets könnte eine App entwickelt werden. Die Kunden überlegen schon zu Hause, wenn sie aufstehen, welche Brötchen sie möchten. Diese werden direkt bestellt, schon gepackt oder sogar geliefert, sodass man gar nicht mehr aus dem Haus muss. Die Bezahlung erfolgt ebenfalls digital. Doch wie sieht die Realität aus: Viele Leute, die zum Bäcker gehen, wissen morgens noch gar nicht, welches Brötchen sie haben möchten. Sie stehen auf, gehen zum Bäcker, haben den Duft der frisch gebackenen Brötchen in der Nase und entscheiden spontan, was sie haben wollen. Das Gefühl, der menschliche Kontakt und das Flair lassen sich nicht über eine App erzeugen – diese macht in diesem Kontext also nicht wirklich Sinn. Einige Kunden fanden dieses Modell zwar interessant aber ein Großteil sagte das Gefühl gehe verloren, dann könne man ja überall Brötchen kaufen. So entsteht schnell eine Vergleichbarkeit. Doch es ist etwas Besonderes, wenn ich zu „meinem“ Bäcker gehe, der eine Auswahl an Backwaren hat, die vielleicht nicht jeder bietet. Genau das schätzen die Kunden. Dem Bäcker jetzt zu sagen er sei nicht digital ready, weil er keine digitale Technologie nutzt, ist gar nicht notwendig und ich bin davon überzeugt, dass es auch in der Zukunft nicht notwendig sein wird. Macht es zukunftssicherer jetzt in digitale Technologien zu investieren, um das zu machen was andere auch machen? Früher wurde gesagt, alles was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden. Es gab viele Unternehmen, die das gemacht haben, aber auch wieder zurückgerudert sind, weil es eher kontraproduktiv war und die Kunden es nicht akzeptierten.

Nur 50% – ist der Score im Digital Readiness Index wirklich entscheidend?

Fakt ist, dass Digitalisierung immer zum Unternehmenszweck, zum eigenen Geschäftsmodell und zu den Kunden passen muss. Wenn ich digitaler werden will, muss ich meine Kunden fragen: Was wünscht ihr euch? Wie könnte es besser aussehen? Was funktioniert aus eurer Sicht noch nicht? Erst dann kann ich überlegen, ob und wie ich mit digitaler Technologie hier unterstütze. Wenn Beratungshäuser kommen und aussagen der Digital Readiness Index hat aufgezeigt, dass sie nur im Mittelfeld rangieren, dann klingt das erstmal schlecht. Aber was ist der Vergleichsmaßstab und wer hat ihn festgelegt? In diesem Fall ein Beratungsunternehmen, das diesen an Industrie- und Branchenstandards festgemacht hat. Jetzt gilt es zu überlegen, ob ich mich mit diesem Maßstab messen lassen möchte. Will ich wirklich in den eingangs erwähnten roten Ozean eintauchen und denke ich, dass das was ich hier mache Mittelmaß ist und ich mehr digitalisieren muss, um in diesem Index einen möglichst hohen Wert zu erreichen? Schließlich bekomme ich dann bestimmt auch mehr Kunden. Ich glaube, das wird nicht funktionieren, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich bin überzeugt, dass das nicht funktioniert. Digitalisierung muss zum Geschäftszweck passen und die Messlatte sollte immer vom Unternehmen selbst angesetzt und auf die eigenen Kunden bezogen werden. Es führt kein Weg daran vorbei, die Kunden zu fragen und selbst zu entscheiden wie digital ready das Unternehmen ist und an welchen Stellen noch mit digitalen Technologien ein besseres Kundenerlebnis geschaffen werden kann. Das ist aus meiner Sicht die einzig mögliche und notwendige Frage, die Sie sich stellen sollten.

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