Eine kostspielige Frage wurde erst gar nicht gestellt

Der Manager eines Nahrungsmittelherstellers hörte von zwei eigenbrötlerischen Alten, die in einem behelfsmäßig ausgestatteten Labor eine Herstellungsmethode für hervorragendes Orangenaroma entwickelt hatten. Im ersten Moment mag das banal klingen, aber Organgenaroma ist sehr schwer herzustellen und macht bei einer Backmischung den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem hervorragenden Produkt.

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Der Manager traf sich mit den Erfindern des hervorragenden Orangenaromas und stimmten zu, kleine Mengen davon an das Unternehmen zu einem sehr hohen Preis zu verkaufen. Die Verkaufszahlen der Orangenkuchen-Backmischung stiegen, und es wurde beschlossen, den kleinen Betrieb aufzukaufen. Die Entscheidung war wie folgt formuliert: „Betrieb abkaufen“. Nach langwierigen Verhandlungen und der Zahlung einer astronomischen Summe wurde der Handel unter Dach und Fach gebracht.

Annahmebasierte Entscheidung

Der Nahrungsmittelhersteller entsandte einige Mitarbeiter in das baufällige Labor, um das teuer gekaufte Orangenaroma herzustellen. Aber es stellte sich heraus, dass keiner der verbliebenen Laborangestellten genau wusste, wie das Herstellungsverfahren genau abläuft. Der genaue Prozess war das Geheimnis der beiden „Alten“. Bis die Nahrungsmittelfirma dies herausgefunden hatte, war das Orangenaroma-Rezept schon an die Konkurrenz verkauft worden, und zwar zu einem noch höheren Preis als die Firma für das Labor bezahlt hatte. Die Verkäufer hatten sich nach Mexiko abgesetzt und waren nicht zu erreichen.

Dieses Beispiel steht sinnbildlich für eine ganze Reihe an Unternehmenszusammenschlüssen, die gerne damit beschrieben werden, jetzt Synergien heben zu wollen. Synergien sollten auch im obigen Beispiel dazu führen, dass es dem übernehmenden Unternehmen mehr Profit beschert. Im Nachhinein betrachtet kann man die Entscheidung in mehrerlei Hinsicht kritisieren. Was ist passiert?

Zunächst einmal sieht es so aus, als hätte die Unternehmensführung alles richtig gemacht: Problem identifiziert (eigenes Orangenaroma nicht ausreichend), Lösung gesucht (externer Lieferant gefunden), Lösung getestet (Test mit Proben und Marktverifizierung), Entscheidung getroffen (Firma abkaufen).

Man glaubte offenbar, dass es günstiger sei, das ganze Unternehmen zu kaufen statt dieses als Lieferanten zu betrachten. Dies ist auch schon der erste Kritikpunkt. Die Entscheidung basierte auf einer Annahme. Annahmen sind nichts Ungewöhnliches und die Basis für Entscheidungen. Allerdings wurde diese Annahme nie hinterfragt.

Assumptions Challenge/Annahmen hinterfragen

Bevor Sie eine Entscheidung treffen, erstellen Sie eine Liste aller Annahmen, auf denen sie basieren und fragen Sie sich, wie sicher Sie sind, dass sie sich wirklich als wahr erweisen. An Annahmen ist an sich nichts auszusetzen. Im Idealfall sind Annahmen einfach Tatsachen, die noch nicht eingetreten sind. Wir müssen Annahmen treffen, wann immer wir planen. Probleme entstehen jedoch, wenn wir unsere Annahmen nicht hinterfragen, wenn wir Annahmen mit Fakten verwechseln oder wenn unsere Annahmen wirklich nur Wunschdenken sind.

In unserem Beispiel wurde angenommen, dass durch die Übernahme des Unternehmens auch das Wissen zur Herstellung mit übernommen würde. Das Hinterfragen dieser Entscheidung hätte dazu geführt, dass man sich Gedanken darüber gemacht hätte, was denn passieren würde, wenn diese Annahme falsch wäre. Eine Entscheidung hätte dann unter Umständen anders ausgesehen, zum Beispiel, „Rezept abkaufen“ (wie es letztlich die Konkurrenz tat).

PreMortem Analyse

Alternativ hätte man auch fragen können, was nach dieser Entscheidung hätte schieflaufen können. Auch so wäre man unter Umständen darauf gestoßen, dass die getroffene Entscheidung zumindest zu überlegen wäre. Sicherlich wäre die Frage aufgekommen, was denn geschehen würde, wenn das Produkt nicht genau reproduziert werden kann. Und genau darum geht es bei der Betrachtung nachteiliger Auswirkungen: Die Aufmerksamkeit wäre hierdurch auf den Herstellungsprozess gelenkt worden – an den man eigentlich schon viel früher hätte denken müssen.

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