Wie unwahrscheinlich kann das schon sein?

Martin war fünfzehn Jahre im Auswärtigen Dienst tätig. Er hatte einen langen Weg zurückgelegt. Beförderungen kamen so schnell, wie es das System erlaubte. Als er in einer südostasiatischen Metropole stationiert war, kündigten fünf hochrangige Ministerialbeamte ihren Besuch für die nächsten Monate an. Zu diesem Anlass waren zahlreiche Treffen und gesellschaftliche Veranstaltungen geplant, und Martin schlug für die Besucher ein Mittagessen in seinem Haus vor.

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Martins Haus lag in der Nähe des Stadtzentrums an einem idyllischen, ruhigen Kanal. Obwohl der Kanal von Palmen und riesigen Bougainvillea-Bäumen gesäumt war, lag er nicht weit von der Anlegestelle des größten und belebtesten Stadtkanals entfernt. Martin schlug vor, dass Besucher mit einem Charterboot dorthin fahren, das Geschäftszentrum vom Wasser aus besichtigen und nach einer zehnminütigen Fahrt vor seinem Haus anlegen sollten. Nach dem Mittagessen konnten die Herren dann zu dem für den Nachmittag geplanten Treffen gefahren werden.

Bis in Detail geplant – und doch kam alles anders

Martins Chef hielt das für eine großartige Idee und bat ihn, alles zu arrangieren. Er plante den Besuch bis ins kleinste Detail. Zu den Vorbereitungen gehörte das Mieten eines Motorbootes für zehn Passagiere – die fünf Besucher, Martin, drei seiner Kollegen und den Fahrer. Das Boot war in gutem Zustand, und der Fahrer war erfahren. Was konnte schief gehen? Jeden Tag beförderte das Boot zehn Passagiere den Kanal hinauf und hinunter. Leider waren sie viel kleiner als die Beamten des westlichen Ministeriums, die in das Boot kletterten, um zum Mittagessen mitgenommen zu werden. Nur 50 Meter von der Anlegestelle entfernt war klar, dass das Boot kentern würde. Jeder konnte schwimmen, obwohl sie es noch nie in einem Designeranzug und in so verschmutztem Wasser versucht hatten. Die Schwimmer nahmen Kurs auf den nächsten Steg und wurden von den Mittagsgästen einer Nudelküche an Land gezogen. Ihr Erfolg wurde mit Jubel verfolgt.

Die Menge der Neugierigen wuchs, als die Gäste der Nudelküche die Bediensteten mit einem Wasserschlauch abspritzten. Und alle winkten, als drei Taxis die Gruppe zu Martins Haus fuhren. Dort nahmen sie eine Dusche und gönnten sich einige von Martins Kleidern, während sie auf ihre eigenen warteten. Niemand hatte großen Appetit.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit?

Martins Karriere ging wegen dieses Vorfalls nicht bergab. Er gab zu: „Die Woche danach war schrecklich. Ich wollte zurück zum Pier gehen, mir einen Felsbrocken an den Fuß binden und ins Wasser springen. Aber etwa einen Monat später haben alle darüber gelacht, außer meinem Chef. Ich hatte an alles gedacht, nur nicht daran, was passieren würde, wenn das Boot kentern würde.“ Ein Ende, wie es nicht überall passieren würde. Wie groß konnte die die Wahrscheinlichkeit schon sein, dass so etwas passieren würde?

Es war wie in den meisten Fällen ein guter Plan, der von allen Seiten für gut befunden wurde. Auf den ersten Blick wurde bereits alles bedacht und so wurde der Plan verabschiedet und umgesetzt. Eine rückwärtige Betrachtung fand nicht statt. Wozu auch? Hätte man dies getan und überlegt, was wohl das schlimmste Ergebnis bei der Umsetzung dieses Planes gewesen ist (PreMortem Analyse) und hätte dazu auch noch mehrere Mitarbeiter einbezogen (Nutzung des bereits vorhandenen Wissens), so würde der Plan und die Entscheidung dazu auf eine viel breite Basis gestellt.

Nachfragen lohnt sich

Man hätte dazu vielleicht jemanden an den Tisch geholt, der auch gerne in seiner Freizeit Boot fährt, also gar nicht unbedingt als ein Experte wahrgenommen würde (Liberating Structures/Jeder wird gehört). Dennoch hätte dieser zur Sprache gebracht, dass die hiesigen Boote zwar mit der geplanten Anzahl Menschen betrieben werden, aber das Gesamtgewicht ausschlaggebend für einen sicheren Transport ist. Anschließend hätte man auch den Schluss ziehen können, dass die westlichen Beamten viel größer und schwerer sind, als die Menschen vor Ort. Schlussfolgernd hätte so festgestellt werden können, dass das geplante Boot für das voraussichtliche Gesamtgewicht nicht ausgelegt war und somit mit hoher Wahrscheinlichkeit sinken würde.

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